Buchtipp (1)

Ein Mikrokosmus der Trostlosigkeit: Inger-Maria Mahlke erzählt von Schicksalen in Berlin-Neukölln…

RECHNUNG OFFEN

51mfj89O1VL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_ Zweieinhalb Jahre nach ihrem Debüt “Silberfischchen” hält sich Inger-Maria Mahlke nicht mit langatmigen Einleitungen auf. Sie reißt den Leser mitten hinein in Theresas Schock: Die Hand des Radfahrers, dem sie die Vorfahrt genommen hat, ist gegen ihre Windschutzscheibe gepresst. Was tatsächlich für Theresas Erschütterung gesorgt hat, wird aber erst nach einiger Zeit klar. Immer wieder muss der Leser erkennen, dass er es sich zu leicht gemacht und die falschen, naheliegenden Schlüsse gezogen hat.

Episodenhaft gewährt Mahlke Einblick in das Leben ihrer sieben Protagonisten, sieben rote Fäden laufen in einem Neuköllner Mietshaus zusammen: der Versuch eines Querschnitts durch ein unüberschaubares Großstadtmilieu.

Das Haus gehört dem Psychologen Claas, dessen Herz gegen Ende jeder Ebay-Auktion schneller schlägt; seine Frau Theresa hat lange ignoriert, dass Claas’ Kaufsucht die Existenz der Familie in Gefahr bringt. Kurz bevor der Gerichtsvollzieher anrückt, wirft sie ihren Mann noch aus dem Charlottenburger Heim.

Claas zieht nach Neukölln, wohnt über seiner Tochter Ebba, die ihre Kartons noch Jahre nach dem Einzug nicht ausgepackt hat, die Berufsschule schwänzt und alle Gefühlskanäle mit Essen und Kiffen verstopft.

Überhaupt ist das Haus ein Mikrokosmos der Trostlosigkeiten: Im Erdgeschoss hausen unter dem Namen Jürgen Schmidtke illegale afrikanische Einwanderer ohne Möbel und Heizung. Ein Stockwerk darüber vegetiert Manuela auf einem löchrigen Wohnzimmersofa vor sich hin; ihr neunjähriger Sohn umkreist sie stumm wie ein Satellit, deckt sie abends zu und nimmt sich morgens Geld für Frühstücksflocken aus ihrem Portemonnaie. Im zweiten Stock, neben Ebba, lebt Elsa, eine Rentnerin, die sich mehr und mehr in der Demenz verliert; Nicolai, ihren Enkel und einzigen Besucher, hält sie für einen Lügner.

Claas bringt mit seinem Gestus des despotischen Hausbesitzers das letzte, fragile Gleichgewicht der Mieter ins Wanken: Während Ebba unbemerkt nach Portugal flüchtet, setzt er die illegalen Einwanderer unter Druck und kündigt der arbeitslosen Manuela, weil er ihre Wohnung für einen Neuanfang nutzen will. Während immer neue Pakete für Claas eintreffen und sich in seiner Wohnung teure Drucke und Kaminbesteck häufen, lässt Manuela ihren Sohn zurück und flüchtet aus Berlin, verliert Elsa endgültig den Verstand, kommt einer der afrikanischen Einwanderer ums Leben.

Mahlkes Protagonisten entstammen unterschiedlichsten Verhältnissen und haben doch dieselbe Taubheit, das Gefühl von Lähmung in einer zu schnellen Stadt miteinander gemeinsam. Sie sind Verlorene in einer achtlosen Umwelt; sie schämen sich, wollen nicht angesehen oder angesprochen werden, weil das nur unerfüllbare Erwartungen oder Spott mit sich bringt. Das Elend der apathischen Antihelden in “Rechnung offen” wird dennoch nicht langweilig. Zum Einen, weil es in rasender Geschwindigkeit wächst und sich verzweigt; zum Anderen, weil Mahlke die Pathosstrudel meist umschifft. Einzig die Episoden, die aus Sicht von Manuela erzählt sind, schmecken manchmal zu sehr nach Sozialstudie: “Hebst die Arme, um sie gleich wieder fallen zu lassen, ein Schwall Luft steigt aus dem Kragen auf, der riecht wie deine Mutter.”

Jenseits dieser Ausrutscher geraten die Figuren bemerkenswert authentisch. Mahlke macht es dem Leser unmöglich, ihre Protagonisten nur als Stellvertreter unterschiedlicher sozialer Milieus oder Krankheitsbilder zu lesen. Sie wird nie anklagend, sondern schildert aus der Perspektive des hilflos Staunenden etwa Lucas’ Verwirrung, wenn er von Gentrifizierungsmüttern als schlechter Umgang eingestuft wird: “Mit kurzen Blicken streiften die Mütter seine Haare, seine Kleidung, sobald eines ihrer Kinder auf ihn zukam… ‘Sieh mal, die Schaukel ist frei’, sagten sie dann lächelnd, oder ‘wir gehen jetzt lieber Mittagsschlaf machen.’”

Oder die Irritation des gefühlstauben Nicolai, wenn seine Freundin versucht, emotionale Nähe herzustellen: “Sie erzählte oft solche Sachen, aus ihrer Kindheit… An Verhaltensregeln bei Entführungen musste er denken, er hatte eine Doku darüber geschnitten. Erzählen Sie dem Täter von sich, versuchen Sie ihn zu zwingen, Sie als Mensch zu sehen. Versuchen Sie, Gemeinsamkeiten zu finden…”

Beinahe zärtlich schildert Inger-Maria Mahlke die rettende Fülle von Zuckerkuchen in Ebbas Mund oder Manuelas Erleichterung, als sie ohne Verantwortung für ein Kind noch einmal neu anfangen kann. Jeder Protagonist verfügt in diesem Roman über seine eigene Logik, seine ureigene Geschichte, aus der heraus noch die zerstörerischste Handlung sonderbar nachvollziehbar wird. Aber ist Inger-Maria Mahlkes Maxime “Alles verstehen, heißt alles verzeihen” geeignet, um ein Panorama der heutigen Gesellschaft in der Nussschale eines Mietshauses anzusiedeln? Die Frage stellt sich.

Inger-Maria Mahlke: Rechnung offen. Berlin Verlag. 288 S., 19,99 €.

E-Book: 15,99 Euro

510M-S7kDsL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-72,22_AA300_SH20_OU03_

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UP by Jawbone

Ein Fitnessarmband, das einen zu mehr Bewegung nötigt? Eigentlich nichts für mich. Dachte ich zumindest, denn das Jawbone UP hat es mir ein klein wenig angetan. Wasserfest, leicht, modisch nicht völlig inakzeptabel ;-)

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Das UP gibt’s in den verschiedensten Farben:

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Jawbone (https://jawbone.com/up) hat mit dem UP ein Fitness-Tracker-Armband vorgestellt, das man 24 Stunden am Tag tragen kann, sich nicht um die Brust schnallen, in den Schuh stecken oder an die Kleidung heften muss. Davon gibt es (noch) nicht all zu viele und es macht neugierig.

Ich bin kein Armbandträger. Eine Art Anti-Wolle-Petri, meistens komme ich sogar ohne Uhr am Gelenk aus. Entsprechend skeptisch war ich bei der Aussicht, fortan ständig ein türkises (lol) Ding am rechten Arm zu tragen.

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Doch ich muss sagen, es stört mich kein bisschen. Da es wasserdicht ist, kann man es nahezu überall tragen, nur beim Schwimmen empfiehlt der Hersteller, es abzulegen.

Nach kurzer Zeit hat man sich an das UP gewöhnt. Kein Wunder, wiegt es doch nur zwischen 19 und 23 Gramm, je nach Größe (S-L). Das Material, „medizinisch zertifiziertes, hypoallergenes TPU-Gummi“, ist nicht unangenehm und das Band äußerst biegsam. Gehalten wird es allein durch seine eigene Starrheit. Die reicht auch völlig, um es daran zu hindern, sich von allein zu verabschieden.

Optik ist natürlich immer subjektiv — ich finde jedenfalls, das UP ist nicht zu aufdringlich und trägt sich zu fast allem gut. Vor allem sieht es nicht so aus, als liefe man ständig mit einem Fitnessband herum (extrem uncool!).

Es ist robust und hält einigem Verbiegen stand. Dafür hat der Hersteller extra eine Reihe neuer Stresstests entwickelt, die das Band hundertfach biegen, ziehen, bewässern und zwischendurch ständig Funktionstests durchführen. Nur ein einziger Knopf reicht aus zur Bedienung, zwei kleine LEDs geben Rückmeldung über Eingaben und sind ansonsten unsichtbar hinter der Gummihülle verborgen.

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Das Armband misst jeden Schritt. Der Hersteller erklärt, dass der Dreiachsen-Bewegungssensor im Inneren in der Lage ist, verschiedene Bewegungen zu unterscheiden. So wird nicht alles, was grob den Ablauf eines Schrittes nachahmt, mitgezählt.

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Jawbone konnte das Profil nach eigenen Angaben sehr präzise definieren und so eine höhere Genauigkeit bei der Zählung erreichen. Aber stimmt das auch? In meinem Test über die vergangenen Wochen konnte ich keine großen Ungenauigkeiten feststellen. Meines Erachtens wurden ruckartige Bewegungen, die keine Schritte waren, tatsächlich nicht gezählt. In der Praxis erwiesen sich die Herstellerangaben als korrekt.

So sieht die App aus: KLICK   Gibts mittlerweile auch in Deutsch, keine Panik!

Möchte man wissen, was man den Tag über geleistet hat, verbindet man das Band über den Kopfhörerstecker mit dem iPhone oder Android-Smartphone. Die App bietet dann einen Überblick zu Kilometerleistung, Kalorienverbrauch und einigen anderen Werten. Man kann eingeben, was man den Tag über gegessen und getrunken hat, eine Datenbank hält viele Nährwertinformationen vor und zeigt mir, wie ich meine Bewegung durch Fressattacken wieder entwertet habe.

Außerdem hält einem das Programm vor Augen, wie wenig man bereits von seinem Tages-Schrittsoll geschafft hat. Das soll motivieren.

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Tut es auch, noch viel mehr treibt einen aber der Wettstreit mit den Teammitgliedern. Man bildet Teams, indem man andere UP-Träger aus seinem sozialen Netzwerk-Umfeld einlädt und sie so im Wortsinn auf Schritt und Tritt verfolgt.

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Der News-Stream auf der Startseite der App zeigt Neuigkeiten aus dem Bewegungs- und Ernährungsalltag der Teammitglieder, dazu können Kommentare und Smileys hinterlassen werden. Bei Bedarf kann man auch einzelne Einträge seines eigenen Streams in soziale Netzwerken teilen.

Der Bewegungssensor kann aber nicht nur die zurückgelegten Kilometer zählen. Des Nachts fungiert er als dynamischer Wecker und Schlafrhythmus-Messgerät. Über die App stellt man die gewünschte Weckzeit ein und lässt sich nun zwischen 10 und 30 Minuten davor durch Vibrationsalarm aus dem Schlaf holen. Innerhalb dieser Toleranz weckt einen das UP-Band, wenn man gerade nicht im Tiefschlaf ist.

Das soll für entspannteres und muntereres Aufwachen sorgen. Auch das funktionierte in meinen Tests erstaunlich gut. Gerade heute musste ich das Band abends zum Aufladen an die Steckdose hängen (das passiert übrigens etwa einmal die Woche) und statt dessen den Radiowecker stellen. Der Unterschied war enorm, ich war einigermaßen gerädert, trotz guten 7 Stunden Schlaf.

Weitere praktische Funktionen: Aktivitäts-Erinnerungen — das Band vibriert nach einer definierten Zeit ohne Bewegung, um den Träger zu kurzem Umhergehen und Gliederstrecken zu animieren. Mithilfe einer eingebauten Stoppuhr lassen sich sonstige Trainingseinheiten einspeichern und die Nickerchen-Funktion sorgt für entspannten Schlaf zwischendurch mit sanftem Vibrationswecker. Kleine Hinweise auf dem Startbildschirm geben Tipps zu App-Funktionen oder gesünderem Tagesablauf.

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Fazit:

Ich bin einigermaßen begeistert von dem Jawbone UP. Zwar nutze ich nach zwei Wochen nicht mehr alle Funktionen — so ist es auf Dauer recht anstrengend, ständig jede Mahlzeit und jeden Kaffee aufzuzeichnen — aber das muss auch gar nicht sein. App und Armband erfüllen ihren Zweck auch mit zurückgefahrenem Bedienaufwand. Der Wecker ist zuverlässig und macht wirklich einen Unterschied zu traditionellen Holzhammer-Methoden.

Das Band ist zudem leicht, trägt im Gegensatz zu so manchem Konkurrent nicht dick auf und ist für mich zu einem echten Alltagsgegenstand geworden. Ganz nebenbei wird man dazu angetrieben, jede Gelegenheit zu mehr Schritten zu nutzen, um sich im Team nicht als Faulenzer zu outen.

Erstaunlich ist davon abgesehen, wie viel Technik sich in dem kleinen Teil verbirgt. Sensor, Vibrationsmotor, Speicher für Wecker und Schrittdaten und ein Akku der bei häufigem Gebrauch gute 8-9 Tage durchhält (Herstellerangabe: 10 Tage).

Für den Preis von derzeit 129 Euro bekommt man ein sehr gut verarbeitetes, hilfreiches Accessoire, das einen obendrein zu mehr Bewegung antreibt. Wer kann ernsthaft von sich behaupten, dass er das nicht nötig hätte?

Die zugehörige App ist übrigens für Android und iOS kostenlos — in der Android-Version fehlen zum Teil die deutschen Übersetzungen. Jawbone arbeitet aber bereits daran, beide Plattformen diesbezüglich auf einen Stand zu bringen.

Auf einer 1000 Meter Strecke hatte ich auf den gelaufenen Kilometer genau 10 Meter Abweichung. Man kann das aber genau einstellen auf seine Schrittlänge indem man das Band kalibriert.

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Vorgeschlagen sind pro Tag eine Stecke von 10.000 Schritten. Diese gilt es zu erreichen. Was aber nicht immer klappt, zum Beispiel, wenn man den ganzen Tag auf dem Sofa rumliegt und sich den neuesten Roman von Tom Wolfe reinzieht. Dann sieht es am Ende des Tages so aus:

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Ebenso kann es aber auch Tage geben, wie zum Beispiel letzten Samstag, als wir in unserem UP-FB-Deutschland-Team einen internen Wettkampf hatten, den ich UNBEDINGT gewinnen wollte:

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Diese Tagesleistung brachte nicht nur den Tages-Sieg in Deutschland, sondern bescherte mir auf Internationaler Ebene in der BLING-Week-Challenge die PLATINUM Platzierung. Nicht schlecht für die allererste Teilnahme:

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Seit ich das UP am Arm habe, sitze ich viel weniger vor dem Computer rum und habe daher diesen Monat echt Probleme gehabt, meinen BLOG-Eintrag fertig zu schreiben.

Stay tuned und genießt den Frühling.

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Neuauflage (3)

Timo Schelm/Klaus Kubici/Kevin Kapunkt

THAILAND FÜR AUSSTEIGER!

Taschenbuch 12,90 Euro

eBook 6,49 Euro

Aussteiger-Print

“Was ist das Beste an JD?”, frage ich. “In deinem Fall wohl, so wie es aussieht, der Mut zu langen Monologen”, antwortet Mischa. Wer ist Mischa? Mischa hat Medizin, Neurologie, Musik und Philosophie studiert. Er ist Arzt. Facharzt für Neurologie. Mischa ist Elite. Im Gegensatz zu mir. Ich hab nicht mal Abi, zudem Latein, Mathe und Physik kontinuierlich mangelhaft. Manchmal auch ausreichend minus – mit Rücksicht auf die Eltern. Mischa ist die Spitze der Pyramide. Intelektuell gesehen. Außerdem ist er furchtbar nett – und ehrlich, wie man an dem einleitenden Dialog schon erkennt. Und die Mädchen sind auch nett, besonders meine.

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Was heißt meine? Ich meine die, die neben mir sitzt und den nächsten JD-Coke klarmacht. Sie mischt meine Drinks. Sie ist mütterlich, fürsorglich, korrekt und von gutem Charakter. Ich denke das nicht, ich sage das laut, was dazu führt, daß sie mich fassungslos anstarrt.

“You really think I’m good girl?”

“Yes”, sage ich, “very good.”

Sie schüttelt fassungslos den Kopf.

“But I am very dangerous.”

Mischa gibt ihr recht. Und will wissen, wie ich auf so etwas komme? Eigentlich sei er der Meinung, daß ich Bangkok ein bißchen kenne.

“Ich kenne Bangkok ganz gut”, sage ich, “und ich sehe natürlich, daß diese Frau saugefährlich ist, aber ich sehe auch im Zentrum ihrer Gefährlichkeit die Sehnsucht danach, sich nicht mehr länger selbst beschützen zu müssen. Wenn du verstehst, was ich meine.”

Er versteht mich. Ich sehe es an seinem Blick. Ich weiß, was Mischa gerade denkt. Das ist EIN Grund, warum ich lieber mit Freunden ausgehe, mit Menschen, die ich jahrelang kenne. Und nicht mehr mit Bekannten. Das führt zu nichts – das strengt mich nur an.

3Das nächste Glas lehne ich ab. Ich bin voll. Das gefällt meiner kleinen Freundin nicht, aber es zeigt sich schnell, dass es ihr nur deshalb nicht gefällt, weil sie dann nichts mehr zu tun hat. Sobald sie etwas anderes findet, was sie mit ihren Händen tun kann, ist sie zufrieden. Sie provoziert eine Erektion durch die Massage meiner Hoden. Es ist Zeit wieder ins Innere der AFTER SKOOL AGOGO zurückzukehren. Hier draußen an dem Stehtisch kann sie mir unmöglich einen blasen… Aber ich kann drinnen nicht rauchen…

Am Ende gebe ich nach. Der Klügere gibt immer nach. Gerade in Bangkok, gerade in der Soi Cowboy – und vor allem bei einem “Dangerous Girl”.

Aussteiger-E-Book

 

 

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Typisch thai…

Kurzer, pauschalisierter Vergleich:

Thais sind fröhlicher!

Gehe ich im Winter durch eine deutsche Großstadt, so fallen mir immer wieder zutiefst frustrierte Menschen auf. Junge Kerle, die dir an der nächsten Ampel fast auf die Fresse hauen, wenn du nicht mit mindestens 80 in der 30er-Zone vor ihnen herfährst. Mädchen mit hängenden Schultern, nach vorne geschobener Hüfte, willenlos schlenkernden Gliedmaßen und einer militanten Eleganzlosigkeit: „Für euch Scheißkerle muss ich noch lange nicht schön sein!“ Schaut man solch einer jungen Frau forschend in die Augen, dann antwortet sie mit einem energielosen, verachtenden Blick, der sagen will: „Du bist auch nicht besser als die anderen Typen die mich alle SO enttäuscht haben!“

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Und trotzdem spürt man, dass sie eigentlich ganz nett sein könnte – wenn sie nur nicht so frustriert über ihr Leben wäre.

In Asien, speziell Thailand, ist das anders. Hier sieht man ständig fröhliche Menschen. Hier wird gelächelt, gegrinst, gelacht.

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Nun kann man ihnen vielleicht vorwerfen, dass wäre alles nur aufgesetzt und Spaß (Sanuk!) ist nicht alles im Leben und so weiter. Aber das ist mir doch völlig egal, wenn ich im Bus sitze und drei Stationen später sowieso wieder aussteige.

Ist doch besser lächelnde Menschen um sich rum zu wissen, als die totale frustrierte Fraktion der deutschen Damen, die sich mit 20 Kilo Übergewicht trotzdem völlig ignorant alle für Topmodels halten…beispielsweise.

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Wenn ich in Clubs gehe, zumindest in Bangkok, Chiang Mai, Udon Thani oder Phuket (um nur einige Orte zu nennen, wo es sich WIRKLICH lohnt), dann sind mir noch nie Rangeleien oder Aggressionen aufgefallen. Und die Frauen sind einfach freudlich und aufgeschlossen. Von deutschen Kneipen, Clubs und Diskos kann ich das leider nicht behaupten.

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Vielleicht liegt es am Wetter – jedenfalls sind Thais fröhlicher. Das ist mal Fakt.

Stay tuned.

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Neuauflage (2)

Timo Schelm/Klaus Kubici

Bangkok – Ein Reiseführer für Männer

Taschenbuch 12,90 Euro

eBook 6,49 Euro

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>It’s time for Rock’n Roll< sagte YUM_YUM und öffnete den Reißverschluss ihres schwarzen Minikleides…

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>Yaeh, wollen wir erst noch was trinken oder soll ich die Aircon direkt einschalten?< fragte ich. >Ich relaxe erst mal einen Moment und lege mich danach eine halbe Stunde in die Badewanne< sagte sie, zog sich anschließend erst mal ein bequemes Strickkleid an. >Du kannst ja in der Zeit deine heißgeliebte Bangkok Post lesen und dann nachkommen. Stell die Aircon bitte gleich an, sonst kleben wir nachher wieder aufeinander wie die Briefmarken.<

a-1c-1Sie hatte einen wunderschönen, marzipankartoffelfarbenen Hintern der mich immer wieder um den Verstand brachte. >Deine Schönheit ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck<, dachte ich leise. Ich sah ihr vom Schreibtisch aus durch die geöffnete Badezimmertür zu, wie sie mit Handtüchern hantierte und das Wasser in die Badewanne laufen ließ. Ich spürte die Verlagerung des Blutes vom Gehirn in meine Lendengegend und hätte es am liebsten sofort mit ihr getrieben. Seufzend schlug ich die erste Seite der Bangkok Post auf und hörte sie im Hintergrund leise singen.

Alles war wie immer und doch war alles neu. YUM_YUM, meine heimliche „Big Love“, meine EDEN-Lady, die devote Dienerin und gleichzeitig selbstbewusste Lady. Die ewige Geliebte, mein jährliches Vor-Weihnachtsgeschenk.

acWir hatten die Boyfriend-Girlfiend-Problematik nie sinnlos durchgekaut, hatten im Laufe der Jahre einfach akzeptiert uns auf drei Tage und Nächte zu begrenzen. Und niemals an einem Stück. Denn das wäre mein Untergang gewesen – emotional, das wusste ich seit unserer ersten Nacht auf der „THE LAST WALTZ-TOUR“ zuerst im EDEN CLUB, später – ohne eine Minute Schlaf – im Manhatten Hotel bis zum nächsten Mittag.

Oder unser gemeinsames After-X-mas-Fest im RIVAS CLUB und am Abend danach in der Q-BAR, das war die „LONG TIME – TOUR“ im darauffolgenden Jahr gewesen, glaube ich mich zu erinnern.

Erinnerungsfragmente fließen mir durch den Kopf und lassen mich träumen. YUM_YUM, die High-Class-Gespielin, die mich nie, niemals nach Geld gefragt hat (und der ich doch immer am Meisten von allen gegeben habe), die mich nie, niemals vereinnahmt hat (und zu der ich in all den Jahren immer wieder süchtig, wie ein Junkie zur Nadel, zurückgekehrt bin).

Diesmal war es am Schwersten glaubte ich zu spüren. Für uns Beide. Sie arbeitet nicht mehr in der Szene, ist „in festen Händen“. Ich weiß nicht wer er ist und ich werde es auch nicht erfragen. Es ist wie es ist!

Ich hatte meine Chance, damals in unserem ersten Jahr.

Und die sogenannte 2. Chance ist ein Gerücht der Verlierer. Es gibt keine 2.Chance. Niemals. Denn niemals wieder kann es so einen Moment geben, wie den Moment in dem sich ALLES entscheidet. Die „Zweite Chance“ ist die Chance der Loser, der Verlierer, der Nicht-akteptieren-Könner. Ein Gerücht, eine Falle, ein Fake, eine Nullnummer – die nie ans Ziel führt. 

MÄNNER, insbesondere TROUBLE BOYS, akzeptieren eine einmal gefällte Entscheidung, auch wenn sich eines Tages herausstellt, dass es sich im Einzelfall um eine Fehlentscheidung gehandelt hat. Niemand macht zwei, drei oder mehr Jahre rückgängig. Niemand, niemals.

Ihre Mobilenummer ist die einzige Nummer, die ich auch morgens um 4 Uhr im Vollrausch auswendig herunterbeten kann. Für die Nummer brauche ich weder mein „grünes Buch“ noch den Speicherchip meines Mobiles zu bemühen, die Nummer ist mir ins Hirn tätowiert.

Einmal, ja einmal, in einer längst vergangenen Zeit, machte sie mir das Angebot mit ihrem EDEN-Job aufzuhören und mich mit zu ihren Eltern zu nehmen und mir nach Deutschland zu folgen. Ein einziges Mal sprach sie es aus. Ich lehnte ab – wir haben nie wieder davon gesprochen.

Damals war ich noch nicht so weit, und heute – als ich sie summend und singend in der Wanne planschen höre, mit dem Wasser spielend – bin ich mir nicht sicher, ob es damals die richtige Entscheidung war. Aber was ist schon sicher im Leben?

Wir haben noch 48 Stunden bis zum Eintreffen der „Zweiten Generation der Trouble Boys“. Wir haben noch 48 Stunden, bis sie zu „ihrem Mann“ zurück muss. Nackt und nass kommt sie aus dem Badezimmer. Küsst mich nass und fordernd. Faltet die Zeitung vorsichtig zusammen, stellt das Laptop auf den Boden und legt sich – nass und nackt – auf den Schreibtisch…

Wie sagte YUM_YUM vor einer halben Stunde?
Ach ja: >It’s time for Rock’n Roll…<

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Typisch deutsch…

Fast Wochenende. Endlich. Überall in good old germany ist es frostig. Die feuchte Kälte verwandelt jedes Wort in Rauch. Wo es schneit, wirbeln die Flocken reichlich und lassen beständig einen grau getupften Vorhang nieder. Wenn es taut, hängt der Himmel blass und niedrig über Dorf und Stadt. Grippewetter.

Beschneidung, Sexismus, Schavan und Rassismus – die Deutschen neigen dazu, aus Maulwurfshügeln ein Hochgebirge zu machen.

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Das lenkt von den wahren Problemen ab und führt uns in die Mittelmäßigkeit.

Es soll Zeiten gegeben haben, da saßen die Deutschen in den miesen Wochen des Jahres im Schein der Kerze oder im Zwielicht der eigenen vier Wände und lasen oder pflegten ihr Ruhebedürfnis. Es schien, als hätte es Gezeiten im Körper gegeben: Der sich noch einmal aufbäumende, doch schon schwächelnde Winter stieß auf die erste Ahnung des Frühlings. Sie sorgten für eine wohlige Gelassenheit und den Hang zum Biedermeier. Dieses Jahr aber kommen die Deutschen nicht zur Ruhe. Sie sitzen – frei nach Tucholsky – auf ihren Sofas und nehmen übel. Die Ursachen ihres Missvergnügens sind so zahlreich wie die vielen dunklen Februarstunden: Sie reichen vom Zorn auf Bildungsministerin Annette Schavan über den Grimm auf den FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle bis hin zur Aufgebrachtheit über einige furchtbar schamlose Zeitgenossen, die es doch tatsächlich gewagt haben, das Wort “Negerlein” harmlos zu finden und sich weigern, die “Bäh”-Sätze aus den alten Kinderbüchern zu streichen, weil ihnen Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz in etwa so rassistisch ist wie Pipi Langstrumpf sexbesessen.

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Gewiss wird es bald Empörte geben, die fordern, den Kindern zukünftig von “Schneewittchen und den sieben Kleinwüchsigen” zu erzählen. Schließlich wissen wir alle: Zwerge sagt man heute nicht mehr. Vielleicht aber kommen die Wütenden nicht auf diesen Gedanken. Die Ausschüttung von Gift und Galle zersetzt die schöpferische Kraft. Auch gibt es noch so viel Anderes, worüber man sich ärgern muss, etwa dass Juden und Muslime trotz wochenlanger Debatten ihre Jungen noch immer beschneiden, oder dass allein Peer Steinbrücks Anblick an seine rhetorischen Fehlgriffe erinnert. Und nun auch noch Hessens FDP-Minister Jörg-Uwe Hahn! Bestimmt ist er Rassist, und wenn er es nicht ist und sich nur tollpatschig ausgedrückt hat, dann hat er sich als beschränkt erwiesen und taugt nicht für ein Regierungsamt. Basta.

Es könnte möglich sein, dass Hahn in dieser erregten Republik der Auslöser der nächsten größeren Debatte wird. Jedenfalls gilt heute wieder, was Kurt Tucholsky seinen Landsleuten schon 1922 zu bedenken gab: Der deutsche Krach unterscheidet sich von allen Krächen weltweit dadurch, dass er sich niemals mit dem Einzelfall begnügt. Hierzulande wird immer gleich alles Prinzipielle miterledigt. Verhält sich ein Politiker tumb und rutscht ihm wie im Falle Brüderles eine dumme Bemerkung heraus, dann brauchen wir eine Sexismusdebatte und diskutieren wochenlang so heißblütig darüber, als drohe die Republik unterzugehen.

Meist enden die Wortgefechte in der Erschöpfung; Erkenntnisse bringen sie wenig. Einsichten gibt es zwar, doch sie werden im Eifer der nächsten Quasselei vergessen, so dass man – wenn das Hin und Her von neuem beginnt – getrost erneut bei Null beginnen darf. Man denke an Thilo Sarrazin und Heinz Buschkowsky.

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Fast scheint es, als ginge es nur um den Furor als solchen, als hätte man wieder einmal Lust, seinen Hang zum Großreinemachen auszuleben – schnell, robust und ohne Federlesen. In dieser Wucht der Empörung ist Nachdenklichkeit genauso wenig gefragt wie Zwischentöne. Es herrscht eine moralische Unerbittlichkeit und ein inquisitorischer Eifer, der uns jegliches Augenmaß vergessen lässt. Er entfernt uns von der Oberfläche des gesunden Menschenverstandes genauso wie von der Menschlichkeit, die uns neben vielem auch die Gabe zu verzeihen geschenkt hat. Probleme in der Größe von Maulwurfshügeln wachsen plötzlich zum Mount Everest. Es dominiert die Neigung zur Übertreibung und zum Übermaß, ein Starrsinn, der Hang, die Dinge bis zu ihrem angeblich logischen Ende zu treiben, ohne innezuhalten und sich selbst für einen Atemzug in Zweifel zu ziehen.

Man könnte sich etwa fragen, warum nur die Deutschen die jahrtausendealte Beschneidung empört, oder ob wir uns vor aller Welt lächerlich machen, wenn wir Probleme der politischen Korrektheit so behandeln, als führe eine gelassenere Herangehensweise zu Weimarer Verhältnissen. Ist es wirklich wahr, wie es im Fall Schavan heißt, immer schon hätten die strengen wissenschaftlichen Regeln der Gegenwart geherrscht, wenn doch bekannt ist, dass es in den Siebzigerjahren einige Fakultäten gab, in denen – wie am Berliner Otto-Suhr-Institut – Einheitszensuren vergeben wurden, weil ernsthafte Einzelprüfungen als post-faschistisch verpönt waren? Fragen dieser Art dürfen nicht sein. Sie passen nicht zum Drang ins Extreme.

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Immerhin offenbaren die gegenwärtigen Debatten, wie gut es den Deutschen geht, wenn sie keine wichtigeren Probleme haben, werfen einige Mahner ein, womit sie Recht haben.

Anders als die Mehrheit der Deutschen glaubt, nimmt die Zahl der Tabus keineswegs ab, sondern zu. Diese wiederum schränken die Freiheit des Denkens ein und blockieren nötige Debatten, die nüchtern geführt werden müssten, weil manche Missstände die Zukunft tatsächlich gefährden. Die Neigung zur Unerbittlichkeit wirkt zudem selbstzerstörerisch. Immer wieder fallen ihr Politiker zum Opfer, die wie Schavan fraglos fähig sind.

Geben wir nicht Acht, bleibt am Ende nichts als stromlinienförmige Mittelmäßigkeit. Ihr aber sind wir doch überdrüssig, oder?

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Stay tuned.

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Neuauflage (1)

Timo Schelm/Klaus Kubici/Alex Reiser/Hermann U. Loewel

Gestrandet in Thailand – Ein Update

Taschenbuch 12,90 Euro

eBook 6,49 Euro

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Mein vorletzter Abend in Bangkok. Oder mein zweiter Abend nach der Ankunft? Oder war es dieser Abend vor dem Flug nach Phuket? Oder der Abend vor der Fahrt nach Pattaya? Wie auch immer. Ich musste etwas Zeit totschlagen…

Die THERMAE schien mir der dafür geeignete Platz. Ich stieß die Schwingtür auf.

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Die Bude war gerammelt voll. Um und in der S-förmigen Bar von imposanten Ausmaßen standen die Nachtschwärmer dicht gedrängt und schnatterten in allen Sprachen durcheinander. Die Musicbox spielte alte Gassenhauer. Diese vokale Sinfonie verlieh dem „Hangout“ eine Atmosphäre der Nähe ohne dabei die Anonymität des Einzelnen zu verletzen.

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Der Gang um dieses Monstrum von Bar glich einem Spießrutenlauf. Auf der rechten und linken Seite saßen die Amazonen wie die Hühner auf der Stange und machten jedem männlichen Wesen schöne Augen, ohne Rücksicht auf Alter, Gewicht und andere ästhetische Mängel.

„Schade, dass Fellini die THERMAE nicht kannte,“ schoss es mir durch den Kopf, „der hätte hier ohne Schnitt gedreht und ein Monumentalwerk geschaffen.“

In der THERMAE findet man alles was die Natur sich leistet. Schöne, hässliche, junge, zu junge, alte, uralte, große, kleine, falsche Frauen. Profis, Halbprofis, Amateure, Studentinnen, Hausfrauen, Schülerinnen und Taubstumme.

Wegen ihnen kommen aus aller Welt Globetrotter, Bierbäuche, Tattergreise, Sugardaddies, Modellathleten, Geschäftsleute, Seeleute, Schlitzohren, Betrüger, Abkocher, Verklemmte, Gestörte und selbst ich. Die THERMAE ist keineswegs ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Sie ist eher der Rummelplatz menschlicher Existenzen nach Mitternacht. Die Achterbahn der sexuellen Befreiung, der finale Fleischmarkt.

Der Reiz liegt im Zwang zum Flirt, zum Gespräch. Hier wird nicht banal eingekauft wie in den Go-Go-Bars, hier setzt sich jeder ins rechte Licht, ohne die Haut zu Markte zu tragen.

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Winter in Wien

Abflug TXL mit zwei Stunden Verspätung wegen „akutem Schneeregen“. Erst ne halbe Stunde zu spät das Boarding, dann Stau vor der Endeisungsanlage für die Flieger…dumm gelaufen.

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Eine Reise nach Wien ist wie eine Seelenmassage für Nostalgiker, denn das kultivierte Österreich mit Musik, Theater, Malerei und Architekturdenkmälern vom Stephansdom bis zur Hofburg gibt es noch immer. Und die Wiener Altstadt präsentiert sich attraktiver denn je. Sie ist Weltkulturerbe, mit besten Adressen für Fashion-Victims, Antiquitätenliebhaber oder Fans der überall präsenten Kaffeehauskultur. Die schöne Stadt an der Donau hebt auf amüsante Art das Selbstwertgefühl gestresster Weekendbesucher.

Wo sonst wird man noch mit „Küss’ die Hand, gnä’ Frau!“ oder „Guten Morgen Herr Doktor“ begrüßt? Die Wiener leben in ihrer Stadt, treffen sich nachmittags auf eine Melange zur Zeitungslektüre oder abends im Wein-Beisel. Wer Wien besucht, kann natürlich in Grandhotels wie „Sacher“ oder „Imperial“ residieren oder in den vielen gesichtslosen Häusern der Hotelketten schlafen. Viel individueller ist unser Hotel: Das feine Hotel ASTORIA.

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Das Vier-Sterne Austria Trend Hotel Astoria liegt auf der Fußgängerzone der Kärntner Straße im ersten Bezirk von Wien, nicht weit von der Staatsoper und dem Stephansdom zu Fuß. Dieses edle Hotel bietet elegante Zimmer und Suiten, eine Bar, ein großes Wienerisches Frühstück und vier Tagungsräume mit Klimaanlage für Firmenkunden. Webseite: www.austria-trend.at/Hotel-Astoria/de/

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Es gibt insgesamt 128 Zimmer und Suiten mit zeitloser Eleganz, Dusche, Toilette, Fön, Telefon, Minibar und Kabel-TV. Alle Zimmer haben den typischen Wiener Stil, große Fläche und Komfort zum Entspannen. Die Junior Suiten sind Eckzimmer mit einem schönen Blick auf die Fussgängerzone Kärntner Straße. W-Lan Internetzugang ist in den Zimmern und im Gebäude kostenlos verfügbar.

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Mal fix „Arbeitsbereitschaft“ hergestellt…

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Wien ist seit letztem Sommer meine neue Lieblingsstadt (in Europa). Klar, weltweit wird und kann niemand ernsthaft BANGKOK in Frage stellen. Und BERLIN als Heimatstadt ist natürlich sowieso konkurrenzlos – aber…WIEN ist echt GEIL!

Die österreichische Hauptstadt ist die Schnittstelle zwischen Ost und West. Schon immer existieren Tradition und Avantgarde hier nebeneinander – und inspirieren sich zu kreativen Höchstleistungen und Skurrilitäten. Mit Witz und Lässigkeit mausert sich Wien zur Trendmetropole.

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Der Internationale Flughafen von Wien (VIE) ist nur etwa 18 Kilometer von der Innenstadt und somit von unserem Hotel ASTORIA entfernt, die Fahrt dauert 20-30 Minuten mit der Hotellimousine.

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Danach eine Stunde im Flieger und man ist wieder zu Hause…

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DANKE WIEN! Man hätte es uns hier wirklich schwerer machen können. Wir kommen im Sommer gerne wieder! Aber nächsten Monat berichte ich dann erst einmal aus Bangkok…

Stay tuned.

 

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Restposten (2)

Timo Schelm/Klaus Kubici/Alex Reiser/Hermann U. Loewel

Gestrandet in Thailand – Schon wieder kein Roman

Taschenbuch, 9,95 Euro

Nur noch Restexemplare erhältlich, folglich: “Raritäten!”

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Mein vorletzter Abend in Bangkok. Oder mein zweiter Abend nach der Ankunft? Oder war es dieser Abend vor dem Flug nach Phuket? Oder der Abend vor der Fahrt nach Pattaya? Wie auch immer. Ich musste etwas Zeit totschlagen…

Die THERMAE schien mir der dafür geeignete Platz. Ich stieß die Schwingtür auf. Die Bude war gerammelt voll. Um und in der S-förmigen Bar von imposanten Ausmaßen standen die Nachtschwärmer dicht gedrängt und schnatterten in allen Sprachen durcheinander. Die Musicbox spielte alte Gassenhauer. Diese vokale Sinfonie verlieh dem Hangout eine Atmosphäre der Nähe ohne dabei die Anonymität des Einzelnen zu verletzen.

Der Gang um dieses Monstrum von Bar glich einem Spießrutenlauf. Auf der rechten und linken Seite saßen die Amazonen wie die Hühner auf der Stange und machten jedem männlichen Wesen schöne Augen, ohne Rücksicht auf Alter, Gewicht und andere ästhetische Mängel. Schade, dass Fellini die THERMAE nicht kannte, schoss es mir durch den Kopf, der hätte hier ohne Schnitt gedreht und ein Monumentalwerk geschaffen.

In der THERMAE findet man alles was die Natur sich leistet. Schöne, hässliche, junge, zu junge, alte, uralte, große, kleine, falsche Frauen. Profis, Halbprofis, Amateure, Studentinnen, Hausfrauen, Schülerinnen und Taubstumme. Wegen ihnen kommen aus aller Welt Globetrotter, Bierbäuche, Tattergreise, Sugardaddies, Modellathleten, Geschäftsleute, Seeleute, Schlitzohren, Betrüger, Abkocher, Verklemmte, Gestörte und selbst ich. Die THERMAE ist keineswegs ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Sie ist eher der Rummelplatz menschlicher Existenzen nach Mitternacht. Die Achterbahn der sexuellen Befreiung, der finale Fleischmarkt.Der Reiz liegt im Zwang zum Flirt, zum Gespräch. Hier wird nicht banal eingekauft wie in den Go-Go-Bars, hier setzt sich jeder ins rechte Licht, ohne die Haut zu Markte zu tragen.

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Restposten (1)

Kevin Kapunkt/Timo Schelm

AUSWANDERN

Taschenbuch, 9,95 Euro

Nur noch Restexemplare erhältlich, folglich: “Raritäten!”

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Vorwort von Günther Ruffert

Autor der Bücher „Geschichten aus Thailand“, „Farang in Thailand“ und „Ein Fenster zum Isaan”.

Warum lebe ich im Isaan?

Wenn die folgenden Zeilen etwas biographisch werden, dann nicht deswegen, weil ich hier mit meiner Lebensbeschreibung langweilen will, sondern weil ich versuchen will zu erklären, warum ich in dieser Region Thailands lebe, und sie zu meiner Wahlheimat gemacht habe. Manche Leute, die meine Bücher oder Geschichten im Internet gelesen haben, können nicht verstehen, was einen Mitteleuropäer veranlassen könnte, sich in solch einer fremden Umgebung wohlzufühlen. Die Meinungen reichen dann von der Frage, ob man denn auf die Dauer – unter den nach unserem Standard doch recht primitiven Lebensbedingungen – dort leben kann, bis zu der Feststellung, dass man lieber in Pattaya das vielfältige Angebot der Restaurants, von deutscher Hausmannskost, über Hamburger und Pizzas, bis zu feinster französischer Küche genießt, als im Isaan Wasser aus der Regentonne zu schlürfen, und sich den Magen mit stinkendem Som-Tam, gebratenen Ratten und gegrillten Käfern zu verderben.

Natürlich kann jeder sein Leben so gestalten, wie es ihm Spaß macht, und wie seine Verhältnisse es ihm erlauben. Es ist durchaus verständlich, dass diejenigen, die nur zu Besuch nach Thailand kommen, in der kurzen Zeit die ihnen zur Verfügung steht, möglichst viel von dem mitnehmen wollen, was ihnen dieses Land an Interessanten und Angenehmen bietet.

Die einen wollen Sonne und Meer genießen, die anderen interessieren sich für die Kultur dieses Landes, und sehr, sehr viele begnügen sich mit dem, was ihnen Pattaya und Phuket nach Sonnenuntergang zu bieten haben.

Aber nicht wenige die dieses Land als Urlauber kennen gelernt haben, denken daran, sich hier für dauernd niederzulassen. Das sind dann die Farangs die man hier allgemein mit dem Begriff “Expats“ bezeichnet. Der Ort an dem sie sich in Thailand niederlassen, wird dann von dem bestimmt, was sie hier zu finden erwarten. Wer finanziell noch nicht so abgesichert ist, dass er sein Leben mit Müßiggang verbringen kann, wird versuchen seinen Lebensunterhalt hier zu verdienen, ein Unterfangen, dass nicht sehr einfach und nicht besonders lukrativ sein wird. Es gehört in der Regel ein ausreichendes Kapital dazu, um hier in ein Geschäft – in der Regel ein Dienstleistungsbetrieb für Farangtouristen, wie Restaurant, Bar, Tauchschule u.s.w. – einzusteigen. Wer nicht genügend Geschäftssinn besitzt, und vor allem viel persönliches Engagement in das Geschäft investiert, kann dann seine Investition bald abschreiben und froh sein, wenn er noch soviel Bargeld besitzt, um sich das Rückflugticket zu kaufen. Aus jahrzehntelanger Erfahrung mit solchen Typen, schätze ich die Quote derer, die tatsächlich hier mit ihrem Geschäft zu reüssieren, auf höchstens 1 zu 5 oder noch weniger ein.

Kommen wir nun zur zweiten Kategorie der Expats, den Leuten, die durch Rente oder Vermögen finanziell so abgesichert sind, dass sie es nicht mehr nötig haben zu arbeiten. Die meisten dieser Gruppe werden sich in einem der Touristenzentren, also vor allem in Phuket oder Pattaya ein Häuschen oder eine Eigentumswohnung kaufen oder langfristig mieten. Sie leben in diesem Land, dass keinen Winter und keine Kälte kennt, und in dem die Lebenshaltungskosten wesentlich geringer sind als in Deutschland, aber im wesentlichen ihr Leben weiter, dass sie auch zu Hause als Rentner führen würden.

Nun gibt es aber noch eine Gruppe von Expats, zu denen ich mich auch zähle, die wollen auf ihre alten Tage versuchen den Traum zu verwirklichen, den doch wohl fast jeder mal geträumt hat: Auszusteigen und in exotischer Umgebung zu leben.

Dass dabei der Traum, a la Gauguin unter Palmen am Stand zu liegen, und sich von barbusigen Südseeschönheiten verwöhnen zu lassen, eben nicht mehr als ein Traum ist, wird jeder bald feststellen. Was aber realisierbar ist, ist durch den weitgehenden Wechsel der Lebensumstände, in denen man den größten Teil seines Lebens verbracht hat, und das weitgehende Eintauchen in eine Kultur, die sich von der Kultur in der man bisher gelebt hat fundamental unterscheidet, neue Energien und Lebensfreude zu gewinnen. Es ist selbstverständlich, dass man, um dabei zurecht zu kommen, einiges investieren muss. Ich denke dabei nicht unbedingt an Geld, sondern an das Bemühen die fremde Sprache zu erlernen und sich vor allem nicht darauf zu versteifen, alles was nach unserer Meinung schlechter ist als zu Hause umzukrempeln. Statt dessen sollte man versuchen, dem Lebensstil der eingeborenen Bevölkerung die guten Seiten abzugewinnen, die einem selbst zu einem ruhigen und zufriedenem Leben verhelfen können.

Ich habe in meinem Berufsleben als Leiter einer Spezialbaufirma fast die meisten größeren Länder der Erde besucht, entweder weil wir dort arbeiteten, oder weil ich als Mitglied von Fachausschüssen und als Kongressbesucher dorthin eingeladen war. Dabei habe ich natürlich immer auf Kosten der Firma in erstklassigen Hotels gewohnt, die sich – vom Sheraton bis zum Holiday Inn – in jedem Land der Welt so gleich sind wie ein Ei dem anderen, so dass man wirklich erst vor die Tür gehen musste um festzustellen, dass man in einem anderen Land war. Auch die Annehmlichkeiten einer solchen Stellung, vom Dienstwagen-Mercedes, bis zur Sekretärin die einen umsorgt, habe ich durchaus als angenehm empfunden. Vielleicht gerade deswegen habe ich versucht, mit meinem Ausscheiden aus der Stellung auch meinen Lebensstil und meine Umgebung zu verändern. Statt des täglichem Stress, nun Ruhe und Zeit zur Besinnung. Statt der Bekannten, die immer nur über Börsenkurse und über Fußball reden, nun mit Menschen zusammen leben, denen die Notwendigkeiten des täglichen Lebens zwar wichtig sind, die aber darüber keineswegs die Freude am Leben versäumen. Statt dem Luxus den wir als Westeuropäer für unbedingt lebensnotwendig halten, nun ein einfaches, und auf das wirklich Notwendige beschränktes Leben.

Das ist es, was ich vor allem hier in meinem kleinen Dorf im Isaan gefunden habe. Ich habe lange genug in Bangkok, in Phuket und in Pattaya verbracht, um zu verstehen, dass viele Farangs dort von der krassen Geldgier, und der rücksichtslosen Missachtung all dessen, was auch in Thailand als anständig und moralisch gilt abgestoßen sind. Es ist aber ein Fehler nun zu folgern – nur weil die Menschen mit denen sie dort diese negativen Erfahrungen machen aus dem Isaan sind – dass dies der Lebensstil im Isaan ist, oder dass dem Farang auf dem flachen Land im Isaan so entgegengekommen wird, wie in Pattaya. Die Menschen bei mir im Dorf sind zwar arm, aber ich habe noch nie eine Äußerung des Neides über den – nach ihren Begriffen – reichen Farang, bzw. seine Frau gehört. Ich bemühe mich aber auch, den Menschen mit denen ich hier täglich zusammen komme gegenüber nicht mit meinem Geld zu protzen, oder mit meinem überlegendem Wissen von der Welt zu imponieren. Mit meinen Kenntnissen, mit denen ich in Deutschland mein Geld verdient habe, könnte ich ihnen sowieso nicht imponieren. Jeder meiner Nachbarn hat mehr Kenntnis der Dinge die zum Überleben unter diesen Verhältnissen erforderlich sind als ich, ohne dass sie den dummen Farang deswegen geringer einschätzen.

Eines der größten Probleme für jeden Pensionär – vor allem wenn er in leitender Stellung tätig war – ist die plötzliche Leere, das Gefühl nichts mehr bewegen zu können, und nicht mehr gebraucht zu werden. Wenn man nicht zum Eremiten geboren ist, dem die Betrachtung des eigenen Nabels ausreicht, wird man versuchen sich mit etwas mehr oder weniger sinnvollen zu beschäftigen. Ein Bekannter von mir hat sich z.B. in Deutschland eine Jagd gepachtet, und findet seine Befriedigung darin, arme Rehe und Wildschweine totzuschießen. Ein Anderer verbringt seine Zeit damit auf Musikdampfern durch die Welt zu reisen.

Mir fiel hier in meiner Gegend im Isaan auf, dass die Bauern nur einen Teil der Felder zum traditionellen Reisanbau, der einzigen Einkunftsquelle hier benutzen können. Weil das Land etwas hügelig ist, bleibt auf dem höher gelegenem Boden kein Wasser stehen, und somit ist dort auch kein Reisanbau möglich. Die Felder liegen meistens brach, weil mit Ausnahme von Zuckerrohr kaum etwas anderes dort wirtschaftlich angebaut werden kann. Der Anbau von Zuckerrohr erfordert aber einen gewissen Kapitaleinsatz, weil man erst einmal 2 Jahre lang nicht unbeträchtliche Summen in die Urbarmachung des Bodens, Pflanzgut, Kunstdünger, Schädlingsbekämpfungsmittel usw. investieren muss, bis die Geschichte anfängt sich zu rentieren.

Das Kapital hatte niemand im Dorf, für den Farang waren es aber nicht so gewaltige Beträge die hier erforderlich waren. Wir begannen also mit der Familie meiner Frau zunächst im kleineren Rahmen Zuckerrohr auf gepachteten Feldern anzubauen, und da sich die Sache ganz gut anließ, kamen jedes Jahr ein paar Felder dazu. Die Leute im Dorf waren es sehr zufrieden, denn zum einen bekamen sie eine, wenn auch bescheidene Pacht für ihr ungenütztes Brachland, zum anderen war nun auch außerhalb der Reisernte die Möglichkeit gegeben, hier im Dorf etwas Geld zu verdienen. Das Pflanzen, Unkrautjäten, Zuckerrohrschneiden ist nämlich eine ziemlich arbeitsaufwendige Sache, und manchmal ist das halbe Dorf damit beschäftigt. Ich arbeite natürlich nicht selber mit, zum einen würde ich bei den Klimabedingungen kaum eine Stunde in der Gluthitze auf den Feldern durchhalten, zum anderen besitze ich auch keine Arbeitsgenehmigung. Es macht mir aber wirklich Spaß, und schafft mir auch Befriedigung, hier etwas aufzubauen und wachsen zu sehen, was ohne mich und mein Geld nicht da gewesen wäre.

Da ich aber mit dem Zuschauen nicht ausgelastet war, suchte ich mir noch etwas anderes zur Beschäftigung. Da bot es sich an, an der Schule hier im Dorf etwas mit Englischunterricht auszuhelfen. Die Kinder bekommen hier in der Grundschule 3 – 4 Jahre Englischunterricht, sind aber wegen des uneffektiven Lehrplans, und wegen der Tatsache, dass die Lehrer selbst kaum Englisch können, selbst nach vier Jahren nicht in der Lage, einen einfachen Satz in englischer Sprache zu formulieren. Vor allem beschränken sich ihre minimalen Vokabelkenntnisse auf das Lesen, und etwas Schreiben. Sie trauen sich aber nicht, englisch zu sprechen. Ich gebe also nun den 3 Oberklassen hier an der Dorfschule einmal in der Woche eine Stunde Sprechunterricht und versuche ohne Lehrplan und Buch ihnen die wichtigsten Sätze beizubringen, die man in einer fremden Sprache braucht. Die Kinder waren zuerst sehr scheu, als das Eis aber mal gebrochen war, mit zunehmender Freude bei der Sache.

Ich habe versucht, hier denjenigen meiner Freunde die es interessiert zu erklären, warum ich mich hier so wohl fühle. Einen wichtigen Grund habe ich allerdings noch nicht erwähnt. Das ist meine Frau, die mich hier in ihr Heimatdorf gebracht hat, und mit der ich – auch wenn mir ihre Thai-Mentalität, vor allem in geschäftlichen Dingen, manchmal gegen den Strich geht – doch sehr zufrieden und harmonisch zusammenlebe. Ein wichtiger Punkt bei all dem, der sicherlich nicht für jeden zutrifft, ist der Umstand, dass ich auf meine alten Tage nicht mehr darauf angewiesen bin Geld zu verdienen, oder mein investiertes Geld zurückzubekommen. Das was ich hier mit meiner Frau aufgebaut habe, soll vor allem ihre Zukunft sicherstellen, wenn ich einmal die Augen für immer zumache.

Damit auch dieses klar ist : Ich mache das nicht etwa um mich als Gutmensch zu profilieren oder um nach buddhistischem Glauben Verdienste für das nächste Leben zu erwerben. All das was ich hier beschrieben habe, mache ich weil es mir selber Freude und Befriedigung verschafft, und das ist doch wohl das Wichtigste worauf es im Leben ankommt.

Günther Ruffert, Auswanderer

Günther Ruffert arbeitete fast vier Jahrzehnte in Deutschland als Bauingenieur und verfasste eine Reihe von Fachbüchern über Betoninstandsetzung und Spritzbeton. Im Zuge seiner Auslandseinsätze kam er bereits in den 1960er-Jahren in Kontakt mit Thailand. Nach seiner Pensionierung im Jahr 1990 wanderte er in den Isaan nach Thailand aus. Er lebte dort im Heimatort seiner Frau, einem kleinem Dorf an der kambodschanischen Grenze. Er beschäftigte sich mit Zuckerrohranbau und betrieb eine Tankstelle. Daneben berichtete er in Büchern und Aufsätzen über seine Erfahrungen in diesem ländlichen Milieu. Er verfasste drei Bücher über Thailand, die vor allem den Alltag beleuchten, zum Beispiel Kultur, Auswandern, deutsch-thailändische Partnerschaften. Ferner schrieb er Kolumnen in deutschsprachigen Zeitungen in Thailand und Artikel in thailandbezogenen Netzpublikationen. Günther Ruffert verstarb am 26. April 2010 in Thailand. (Quelle Wikipedia)

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