Der Life! Reloaded Blog - Impulse für ein besseres Leben in der Lebensmitte

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte...
 

"Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,

 

würde ich versuchen,

 

mehr Fehler zu machen.

 

Ich würde nicht mehr so perfekt sein wollen,

 

ich würde mich mehr entspannen.

 

Ich wäre ein bisschen verrückter,

 

als ich es gewesen bin,

 

ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.

 

Ich würde nicht so gesund leben.

 

Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen,

 

Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen,

 

mehr in Flüssen schwimmen.

 

Ich war einer dieser klugen Menschen,

 

die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;

 

freilich hatte ich auch Momente

 

der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,

 

würde ich versuchen, nur noch gute Augenblicke zu haben.

 

Falls du es noch nicht weißt, aus diesen

 

besteht nämlich das Leben;

 

nur aus Augenblicken; vergiss nicht den jetzigen.

 

Wenn ich noch einmal leben könnte,

 

würde ich von Frühlingsbeginn an

 

bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.

 

Und ich würde mehr mit Kindern spielen,

 

wenn ich das Leben noch vor mir hätte.

 

Aber sehen Sie ... ich bin 85 Jahre alt

 

und ich weiß, dass

 

ich bald sterben werde."


Dieses Gedicht wird oft Jorge Luis Borges zugeschrieben, erscheint aber in zahlreichen Varianten auch unter anderen Namen – darunter Nadine Stair und Don Herold. Seine Herkunft ist unklar. Was bleibt, ist ein Text über gelebte Reue und die Kraft des Augenblicks.

Gestern kam eine wunderbare Mail: Ein Freund aus Regensburg hat mir ein Foto geschickt. Es zeigt mein Buch in meiner dortigen Lieblingsbuchhandlung Pustet. Klingt unwichtig, aber mir bedeutet es sehr viel.

Als ich vor drei Jahren angefangen habe, dieses Projekt umzusetzen, lag hinter mir schon eine lange Vorlaufzeit. Jahre des Lesens und Recherchierens. Viele Gespräche, Interviews, Notizen - und ganz viel gelebte Erfahrung. 

Dabei stellten sich mir immer wieder dieselben Fragen: Warum leben so viele von uns die Erwartungen anderer? Wofür stehen wir morgens auf und wieviel ist genug?

Ich habe Life! Reloaded für Menschen geschrieben, die viel leisten und viel tragen - im Job und privat. Für die, die Verantwortung gewohnt sind und sich selbst irgendwo hinten anstellen. Weil ich sie ermutigen möchte, erfüllter zu leben und bewusster zu arbeiten - ohne auszusteigen. Und weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie leicht wir Funktionieren mit einem stimmigen Leben verwechseln. 

Das Schreiben war eine große Freude. Und es war auch richtig viel Arbeit. Neben einem Fulltime-Job bedeutete das: fast jeden Morgen ein bis zwei Stunden früher aufstehen. Viele Abende. Wochenenden. Urlaube. Nicht, weil ich besonders diszipliniert bin, sondern weil dieses Buch ein echtes Anliegen war. 

Mein Ziel war von Anfang an klar: möglichst vielen Menschen Mut zu machen, gerade in schwierigen Zeiten gut für sich zu sorgen und ihr Leben wieder mehr nach den eigenen Wünschen auszurichten, statt nur nach außen zu liefern.

Seit Ende Januar ist das Buch draußen. Und gerade passiert etwas, das ich mir zwar erhofft habe, das mich aber trotzdem jedes Mal berührt: Ich bekomme so viel Resonanz. Erste Leserinnen und Leser melden sich mit sehr persönlichem Feedback und schreiben Rezensionen, die mich sehr ermutigen. 

Es kommen Interviewanfragen, ich führe interessante Gespräche mit Journalistinnen und Journalisten. Ich werde zu Vorträgen und Lesungen eingeladen. Andere Autorinnen und Autoren schreiben mir, laden mich zum Buchtausch ein oder zu ihren Buchvorstellungen. Und ich selbst plane gerade Veranstaltungen rund um das Buch, weil ich merke: Da entsteht etwas, das größer ist als ein einzelner Titel.

All das macht große Freude. Nicht nur, weil es sich gut anfühlt, sondern weil es mir zeigt: Das Thema Selbstfürsorge ist kein “Wohlfühl-Extra”. Es ist für viele eine zentrale Zukunftskompetenz. Und für mich auch der Beginn von etwas sehr Konkretem: einem stimmigen Leben im Einklang mit unseren Werten.

Wenn du Life! Reloaded noch nicht kennst: Es ist eine Einladung, dir selbst wieder näher zu kommen, ohne dein Leben komplett umzuwerfen. Schritt für Schritt. Mit Klarheit, Wärme und einer Portion Realitätssinn.

Und an meinen Freund in Regensburg: Danke für dieses Foto. Manchmal ist ein einziges Bild genau die Bestätigung, dass sich all die frühen Morgenstunden gelohnt haben. 💛 


 

Wir Deutschen sind Meister der Delegation.
Nicht aus Bequemlichkeit, eher aus Gewohnheit.

👉Für unsere Gesundheit ist das System zuständig.
👉Für unsere finanzielle Absicherung der Staat.
👉Für unsere berufliche Entwicklung der Arbeitgeber.
👉Für gesellschaftliche Fürsorge: Politik, Sozialstaat, NGOs.

Wir zahlen Steuern.
Wir zahlen Sozialabgaben.
Und damit - so die implizite Logik - haben wir unseren Teil erledigt.

Das Problem ist nicht, dass wir einen starken Sozialstaat haben.
Das Problem ist, dass wir ihn oft als Ersatz für Selbstverantwortung missverstehen.

Selbstfürsorge ist keine Wellness-Frage. Sie entscheidet, wie du dein Leben führst:

👍Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen, bevor er streikt.
👍Sich mit den eigenen Finanzen und dem eigenen Genug zu beschäftigen, bevor Abhängigkeit entsteht.
👍Den eigenen Job aktiv zu gestalten oder zu verändern, statt innerlich zu kündigen.
👍Beziehungen zu pflegen, statt sie dem Alltag zu opfern.

Eine Gesellschaft, in der viele Menschen schlecht für sich sorgen, wird zwangsläufig teuer, erschöpft und konfliktanfällig.

Nicht aus bösem Willen.
Sondern aus Überforderung.

Auch Fürsorge für andere ist delegiert.

Ähnlich bequem - und ähnlich folgenreich - ist vielfach unsere Haltung zur gesellschaftlichen Verantwortung.

„Dafür gibt es doch Institutionen.“
„Dafür zahlen wir doch Steuern.“
„Dafür gibt es NGOs.“

Ja. Zum Glück.

Aber eine resiliente Gesellschaft lebt nicht nur von Strukturen.
Sie lebt von Beteiligung.

Nicht jeder kann alles.
Aber fast jeder kann etwas.

Selbstwirksamkeit ist der fehlende Zusammenhang

Was wir oft übersehen:
Individuelle Selbstfürsorge und gesellschaftliche Fürsorge hängen zusammen.

Wer dauerhaft überlastet, erschöpft oder existenziell unsicher ist,
hat kaum Kapazität, sich um andere zu kümmern.

Und wer umgekehrt erlebt, dass das eigene Handeln Wirkung hat - für sich selbst und für andere - entwickelt Resilienz, Würde und Verbundenheit.
Das durfte ich so in Lateinamerika und Südafrika lernen.
Wir Deutschen können tatsächlich von anderen lernen, eine Menge sogar.

Eine reifere Gesellschaft würde beides ernst nehmen.

Sie würde:

👍Selbstfürsorge nicht an Systeme delegieren, sondern als Bürgerkompetenz verstehen.
👍Gesellschaftliches Engagement nicht als moralische Pflicht sehen, sondern als Ausdruck von Verbundenheit.
👍Den Sozialstaat als Sicherheitsnetz begreifen - nicht als Ersatz für Selbstverantwortung.

Wir hätten weniger Erschöpfung.
Weniger Zynismus.
Weniger „die da oben“.

Und mehr Menschen, die sagen:

Ich kann nicht alles verändern. Aber ich bin Teil davon. Veränderung beginnt bei mir. Nur wenn ich gut für mich sorge, kann ich auch für andere da sein 🫶. Wann fängst du an, gut für dich zu sorgen?

 

Vor ein paar Tagen hat mich ein LinkedIn-Post von Toan Nguyen sehr nachdenklich gemacht. „Responses will be delayed“ ist auf den ersten Blick eine nette Abwesenheitsnotiz: vier Wochen Vietnam, Family Time, Grenzen setzen. 

Für mich ist es eine mutige Kampfansage an ein Lebensmodell, das viele von uns zu lange für normal halten: Das Modell, in dem das Leben um den Job herum gestaltet wird - und nicht der Job um das Leben.

Toan beschreibt den Shift nüchtern: Identität und Zugehörigkeit jenseits von Jobtitel und Company Name. Und dann dieser Satz, der hängenbleibt, weil er so ehrlich ist: Externe Anerkennung ist ein Kredit. Erst fühlt es sich gut an, dann kommt die Rückzahlung. Wer zu lange davon lebt, macht Schulden, die irgendwann nicht mehr zu bedienen sind.

Das ist ein Life! Reloaded Thema par excellence. Denn die erste Lebenshälfte ist oft geprägt vom Wunsch, dazuzugehören. Dafür sind Labels perfekt: Elite-Uni, ikonische Stationen, Titel, Bühne, Sichtbarkeit. Alles legitime Marker - und oft echte Leistung. 

Aber Labels haben eine Nebenwirkung: Sie wirken wie emotionales Sedativum. Kurzfristig beruhigend. Langfristig abhängig machend. Wenn mein Wert an äußere Signale gekoppelt ist, muss ich ständig nachliefern: das nächste Projekt, der nächste Schritt, der nächste Beweis. 

Der Kreditgeber heißt Aufmerksamkeit und die Zinsen zahlen wir nicht nur in Zeit, sondern in Energie: Nervensystem, Schlaf, Beziehungen, Körper. Viele merken mitten im Leben: Es läuft – aber es ist nicht mehr stimmig.

Es geht nicht darum, den Wunsch nach externer Anerkennung zu kritisieren. Es geht darum, sie richtig einzuordnen: als Ergänzung, nicht als Fundament. Du darfst sie mögen. Du darfst stolz sein. Aber du solltest dich nicht über sie definieren.

Toans Vietnam-Entscheidung ist deshalb Identitätsarbeit – generationenübergreifend. Er will seinen Kindern Multikulturalität nicht erklären, sondern vorleben: Wir gehören nicht nur zu einer Firma. Wir können wie er zwischen Welten wechseln: East und West, Business und Kunst, Gaming und Gesundheit. Diese Beweglichkeit ist Kompetenz – und ein Gegenmittel gegen das gefährliche Missverständnis, Zugehörigkeit sei Identität.

Und hier wird es praktisch: „Delayed responses“ ist Selbstführung. Ein bewusst gesetzter Rhythmuswechsel. Nicht „besser planen“, sondern den eigenen Zustand ernst nehmen: Wie viel „on“ verträgt dein System wirklich? Was ist dein Preis – und dein Wofür? Sein Ziel ist nicht „mehr“, sondern „stimmiger“: ein Unternehmen bauen, das 3–4 Wochen Vietnam im Jahr ermöglicht. Das ist die Genug-Frage als Designprinzip: Wie soll mein Leben aussehen – und welche Arbeit passt dazu?

Du musst die Welt der Labels nicht verlassen. Aber du kannst aufhören, dich von ihr definieren zu lassen und Kapital aufbauen, das dir niemand nehmen kann: Zugehörigkeit zu dir selbst, zu deinen Werten, zu deinem Körper, zu deinen Beziehungen, zu deinem Wofür. Dann fühlen sich Grenzen nicht wie Verlust an, sondern wie Würde.

Die Welt ist voll von Erfolgsrezepten, die uns den einen Weg zum Glück versprechen. Sie beruhen auf der Idee, dass wir Körper, Geist und sogar unser Leben kontrollieren und optimieren können, wenn wir nur die richtigen Tools anwenden. Doch das Leben kann man nicht „hacken“. Es ist nicht linear, nicht berechenbar, und viele der tiefsten Erfahrungen, wie Liebe, Kreativität und Heilung, lassen sich nicht erzwingen. Ein gutes Leben entsteht aus Beziehung, Rhythmus und Intuition, nicht aus rigiden Systemen. Kontrolle ist eine Illusion, sie ist das Mantra der Komfortzone.

Ein erfülltes Leben ist kein Ziel, kein Endzustand, sondern eine fortwährende Praxis. Es bedeutet, den eigenen inneren Kompass immer wieder neu auszurichten und bewusst Entscheidungen zu treffen, um im Einklang mit unseren Werten zu sein. Es bedeutet, den Mut zu haben, unser Leben aktiv zu gestalten, aus der tiefen Überzeugung, dass wir mehr sind als die Summe unserer Erfolge oder Misserfolge. 

Ich glaube nicht an den einen "Sinn des Lebens", den wir nur finden müssen wie einen verlorenen Schlüssel. Wir tragen viele mögliche Lebensentwürfe in uns - in die wir uns nicht hineindenken können, sondern nur hineinleben, jetzt und nicht irgendwann. 

Meine Erfahrung ist, dass zu einem erfüllten Leben auch Herausforderungen, Enttäuschungen, Lebenskrisen und Scheitern gehören. So schlimm, wie sie sind, wenn sie passieren - im Nachhinein hat sich für mich immer gezeigt, dass mein Leben anschließend besser weiterging, tiefer und mit mehr Dankbarkeit und Demut.

"Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden."
Søren Kierkegaard - Dänischer Philosoph

Aus eigener Erfahrung mache ich dir Mut, dich zu fragen: Wessen Leben lebe ich eigentlich? Wer hat entschieden, was für mich wichtig ist? Ich möchte dich erinnern, dass du trotz aller vermeintlichen Sachzwänge wählen kannst, jeden Tag, jede Stunde. 

„Später“ ist oft nur ein anderes Wort für „nie“. Du kannst entscheiden, ob du Erwartungen erfüllst und andere für dich entscheiden lässt, oder deinem inneren Kompass folgst. Ob du Verantwortung für dein Leben übernimmst und gut für dich sorgst.

Viele richten ihr Leben nach Familie, Arbeitgeber, Partner oder „man“ aus. Steve Jobs erinnerte uns: „Deine Zeit ist begrenzt, also verschwende sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben.“

Oft glauben wir, es fehle Spielraum: „Ich würde ja gern, aber …“ – zu wenig Zeit, Geld, Mut. Das sind meist Stimmen alter Muster. Selbstfürsorge heißt, sich nicht als Opfer der Umstände zu sehen, die eigene Zeit zu schützen, Entscheidungen zu treffen, Grenzen zu setzen. Zu leben statt gelebt zu werden. 

„Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit; das ist der Grund, warum die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.“ (George Bernard Shaw)

Wir alle tragen Geschichten in uns, die nicht unsere sind. Wir haben gelernt, zu gefallen, zu funktionieren, Erwartungen zu erfüllen, für manche von uns war oder ist es eine Überlebensstrategie. Wir möchten dazugehören, das ist zutiefst menschlich.

Doch daraus entstehen unsichtbare Käfige: Glaubenssätze, die wir für Wahrheiten halten. Der mächtigste lautet: „Ich bin nicht genug.“ Er treibt an, macht schneller und perfekter, aber nicht freier. Die Käfigtür steht offen; wir übersehen sie nur oft.

Veränderung beginnt selten mit Gewissheit, sondern mit einem inneren Ja: zu Lebendigkeit, Wachstum und Stimmigkeit. Du musst nicht alles umkrempeln. Erfolg und Erfüllung schließen sich nicht aus. Dein Weg beginnt mit einem mutigen Schritt und wird im Gehen klarer. Für ein Leben im Einklang mit deinen Werten – jenseits von Effizienz und überholten Erfolgserzählungen.

Das wichtigste Geschenk deines Life! Reloaded ist ein neues Bewusstsein, nicht eine neue Methode: Du bist kein fertiges Produkt, das optimiert werden muss, du bist dein Leben lang ein lebendiges Wesen in Entwicklung. Kein starrer Bauplan, sondern ein wachsender Organismus mit der Fähigkeit, dich immer wieder zu wandeln, zu lernen, zu verfeinern.

Der Vogel in meinem Logo verlässt den Käfig, das Sinnbild für unsere Glaubenssätze, Ängste und Prägungen. Fang an mit dem, was dich lebendig macht. Selbstentfaltung statt Selbstoptimierung. 

„Die Geburt ist kein momentanes Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang. Zu leben bedeutet, jede Minute geboren zu werden.“ (Erich Fromm)

Diese Worte laden uns ein, jeden Tag als Möglichkeit zu sehen, neu zu beginnen. Nicht im Äußeren, sondern im Innersten. Das ist echte Transformation.

👉 Was streichst du diese Woche, weil es nur Erwartungen erfüllt und wofür machst du Platz? Was fühlt sich lebendig an, was macht dir Freude?

Ich arbeite gerne.
Ich brauche keine Work life balance. 
Ich lebe lieber Work life integration.
Selbstentfaltung statt Selbstoptimierung. 

Für mich ist Arbeit Teil meines Lebens und nicht sein Gegenpol. Die Idee der „Work-Life-Balance“ stammt aus einer Zeit, in der Arbeit und Privatsein als Gegensätze galten. Arbeit bedeutete Pflichterfüllung, Leistung, Funktion und das Eigentliche begann erst nach Feierabend. Balance hieß: ein Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung, Müssen und Wollen, Zeit für andere und Zeit für sich selbst. 

Work-Life-Integration denkt in Zusammenhängen, nicht in Entweder-oder-Kategorien. Es geht nicht darum, Arbeit einzuhegen oder sie kleinzuhalten. Es geht darum, sie bewusst einzubetten: In das, was dir wirklich am Herzen liegt. In das, was dich erfüllt, was dich in Bewegung bringt und was du beitragen möchtest. Wenn du nach Wirkung suchst statt nach Status, nach Sinn statt nach Funktion, dann darf Arbeit ein Ort des Wachsens sein. Ein Ort, an dem du nicht etwas darstellen musst, sondern du selbst sein darfst, mit allem, was dich ausmacht: deinen Stärken, deinen Fragen, deiner Präsenz.

Work-Life-Integration heißt nicht, immer verfügbar zu sein. Im Gegenteil: Sie bedeutet, dich selbst so zu führen, dass dein Tun im Einklang mit deinem inneren Rhythmus steht. Dass du spürst, wann du auftanken musst. Wann du Raum brauchst. Wann du mit ganzem Herzen dabei bist und wann es Zeit ist, loszulassen.

Integration ist kein Always-on. Sie ist bewusste Durchlässigkeit. Wenn ich schreibe, bin ich ganz da. Wenn ich zuhöre, bin ich ganz da. Wenn ich ruhe, ruhe ich. Das ist die eigentliche Leistung.
Es ist an der Zeit, nicht mehr auf Balance zu warten. Es geht darum, Stimmigkeit zu gestalten.

Nicht die Frage „Wie trenne ich Arbeit und Leben?“ bringt uns weiter. Entscheidend ist: „Wie verbinde ich das, was ich tue, mit dem, was mir wirklich wichtig ist?“

„Work-Life-Balance“ war ein Versuch, Schaden zu begrenzen.
„Work-Life-Integration“ ist eine Einladung, Arbeit neu zu denken, als erfüllenden Teil eines gelungenen Lebens.

Und du? Frag seltener, wie viel du schaffst. Frag öfter, was dich lebendig macht. Wo wirst du weiter und tiefer, nicht schneller? Was darf weg, damit Platz entsteht für das, was du wirklich kannst und willst? Arbeit ist kein Gegenspieler des Lebens. Sie ist ein Feld, auf dem du wachsen kannst. Aber nur, wenn du dir erlaubst, ganz Mensch zu sein.

👉 Frag dich am Ende des Tages: Hatte ich heute einen Moment, in dem ich ganz da war: bei der Arbeit, bei einem Menschen oder bei mir selbst? Wenn nicht: Was hält dich ab?

Kennst du dein persönliches „Genug“? Warum „Genug“ eine Superpower ist.

Wieviel ist genug? Und noch wichtiger: Wer entscheidet das?

Uns wird permanent suggeriert, dass wir zu wenig sind, zu wenig haben, zu wenig leisten. Ein Glaubenssatz, der vom Narrativ des Mangels lebt und uns antreibt, immer mehr zu wollen, mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Status. 

Doch all das, so zeigen es die Studien zur Lebenszufriedenheit immer wieder, macht uns nur bis zu einem bestimmten Punkt zufriedener. Danach beginnt der Sättigungseffekt. Oft sogar der Rückschritt: Denn mit dem Mehr kommen auch mehr Sorgen, mehr Druck, mehr Vergleiche, mehr Entfremdung. 

Und oft auch der völlige Verlust des Gespürs für das „Genug“. Als man J.D. Rockefeller fragte, „Wieviel Geld ist genug?“ antwortete der zu seiner Zeit reichste Mann der Welt „Just a little bit more." 

In Filmen wie Wall Street wird Gier zur treibenden Kraft, glamourös inszeniert, aber innerlich leer. Gordon Gekko sagt: „Gier ist gut.“ Doch die Wahrheit ist: Gier ist ein Fass ohne Boden. Je mehr du ihr gibst, desto mehr nimmt sie dir: Zeit, Beziehungen und Sinn. Wer nicht weiß, was „genug“ ist, lebt im permanenten Mangel, auch mit Millionen auf dem Konto. 

Ich möchte dir Mut machen, deine Definition von Reichtum zu hinterfragen. Es ist keine Kritik an Wohlstand oder Ambition. Es ist eine Ermutigung zur Reflexion: Was bedeutet für dich persönlich „genug“? 

Nicht nur in Bezug auf Geld, sondern auf Zeit, Energie, Besitz, Anerkennung. Es geht nicht darum, dich klein zu machen. Es geht darum, dir selbst zu genügen, in einem tiefen, kraftvollen Sinn.

Ich selbst habe mit Anfang 40 während eines Sabbaticals in Südafrika und der Arbeit in einem Township mein Wertesystem komplett neu kalibriert. Diese Erfahrung hat mich beschämt und demütig gemacht und prägt mich bis heute. 

Ein guter erster Schritt zu deinem persönlichen Genug: Frag dich bei allem, was du im Zusammenhang mit Geld, Erfolg und Status unternimmst: Tue ich das für mich oder um andere zu beeindrucken, für mich zu gewinnen oder dazuzugehören?

Deine wahren Freunde messen dich nicht an deinem Kontostand oder deinem Status.

👉 Frag dich heute: Wo in deinem Leben jagst du noch dem „etwas mehr“ hinterher und wo würdest du eigentlich schon in Fülle leben, wenn du dein persönliches Genug anerkennst? Der Moment, es zu definieren, ist jetzt.

Wir alle kennen dieses kleine Wort, das uns beruhigt und gleichzeitig lähmt: „später“.
Später will ich mehr Zeit haben. Später kümmere ich mich um meine Gesundheit. Später wage ich den Schritt, den ich längst im Kopf bewege.

Doch „später“ ist trügerisch. Es klingt nach Aufschub, ist aber oft ein Nein zu uns selbst. Denn das Leben wird nicht ruhiger, wenn wir warten. Es wird voller: mit neuen Aufgaben, neuen Verpflichtungen, neuen Gründen, warum „jetzt“ nicht passt.

Dabei muss ich an die Freundin denken, die im Management eines Großunternehmens arbeitet, zwei kleine Kinder versorgt, ihre kranken Eltern betreut und seit Monaten mit Rückenschmerzen kämpft, ausgelöst durch eine chronisch verspannte Körpermitte. Als ich sie fragte, wo sie selbst bleibt in all dem, antwortete sie nüchtern: „Ich komme später.“

Wer immer auf später setzt, trainiert sich ab, in der Gegenwart zu leben. Wünsche bleiben aufgeschoben, bis sie unbemerkt verblassen. So wird „später“ zum Synonym für „nie“.

Dein Life! Reloaded beginnt, wenn du das bemerkst. Wenn du erkennst, dass du keine perfekten Bedingungen brauchst, um anzufangen. Der beste Moment ist selten bequem, aber er ist immer jetzt.

Ich habe das oft erlebt: mit meinen Sabbaticals, die meine berufliche und persönliche Entwicklung voranbrachten, statt ihnen zu schaden. Mit dem Loslassen von Glaubenssätzen und Beziehungen, die mich klein hielten. Mit dem Erlernen neuer Fähigkeiten. Mit dem Setzen von Prioritäten für Gesundheit und Familie. 

Das ist nicht immer leicht, aber immer gut. Du wirst vielleicht auf Geld und den ein oder anderen Karriereschritt verzichten, aber Reichtum bemisst sich für mich nicht am Kontostand. Sondern an der Freiheit, zu wählen.

Dich nicht auf später zu verschieben, ist ein Akt der Selbstfürsorge und Selbstentfaltung.

👉 Frag dich: Was hast du zuletzt auf später verschoben? Und was wäre möglich, wenn du heute den ersten kleinen Schritt machst? Vielleicht die Idee eines Sabbaticals zulässt und dir überlegst, wie du es möglich machen kannst?

 

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