THERMAE, Sukhumvit Soi 13-15
Ich musste etwas Zeit totschlagen und die THERMAE schien mir der dafür geeignete Platz. Ich stieß die Schwingtür auf. Die Bude war gerammelt voll. Um und in der S-förmigen Bar von imposanten Ausmaßen standen die Nachtschwärmer dicht gedrängt und schnatterten in allen Sprachen durcheinander. Die Musicbox spielte alte Gassenhauer. Diese vokale Sinfonie verlieh dem „Hangout“ eine Atmosphäre der Nähe ohne dabei die Anonymität des Einzelnen zu verletzen.




Der Gang um dieses Monstrum von Bar glich einem Spießrutenlauf. Auf der rechten und linken Seite saßen die Amazonen wie die Hühner auf der Stange und machten jedem männlichen Wesen schöne Augen, ohne Rücksicht auf Alter, Gewicht und andere ästhetische Mängel.
„Schade, dass Fellini die THERMAE nicht kannte,“ schoss es mir durch den Kopf, „der hätte hier ohne Schnitt gedreht und ein Monumentalwerk geschaffen.“
In der THERMAE findet man alles was die Natur sich leistet. Schöne, hässliche, junge, zu junge, alte, uralte, große, kleine, falsche Frauen. Profis, Halbprofis, Amateure, Studentinnen, Hausfrauen, Schülerinnen und Taubstumme.
Wegen ihnen kommen aus aller Welt Globetrotter, Bierbäuche, Tattergreise, Sugardaddies, Modellathleten, Geschäftsleute, Seeleute, Schlitzohren, Betrüger, Abkocher, Verklemmte, Gestörte und selbst ich.
Die THERMAE ist keineswegs ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Sie ist eher der Rummelplatz menschlicher Existenzen nach Mitternacht. Die Achterbahn der sexuellen Befreiung, der finale Fleischmarkt.
Der Reiz liegt im Zwang zum Flirt, zum Gespräch. Hier wird nicht banal eingekauft wie in den AGoGo-Bars; hier setzt sich jeder ins rechte Licht, ohne die Haut zu Markte zu tragen.
Stay tuned!
BuchTipp: Für alle die sich in Bangkok noch nicht so gut auskennen: Bangkok 20elf – Unterwegs in der Stadt der Engel.
