Girls A-Gogo 2. Etage – oder: Wer nicht hören will…
Dieser Tag war anders als die Tage zuvor. Das merkt man spätestens daran, dass wir den Rythmus geändert haben. Wir gehen nicht wie sonst früh ins Bett, sondern wir treiben uns rum. Und ich trinke Alkohol – was ich eigentlich seit Jahren nicht mehr mache. OK, mal hier und dort (zum Essen) ein Glas Rotwein in den vergangenen Jahren – aber ich war nie betrunken. Ich weiss gar nicht mehr wie das ist. Heute habe ich bereits am Pool zwei Flschen Bier getrunken…äusserst ungewöhnlich – zumal ich Bier eigentlich gar nicht mag. In den Agogos trinke ich abends dann Whisky-Cola (was im ersten Moment bekannte Gefühle auslöst und an die längst vergangene Pattaya-Zeit erinnert, aber nicht wirklich schmeckt.)
Und zurück im Hotelzimmer mache ich mir doch sage und schreibe noch ne Flasche Heineken aus der Minibar auf…und ne Tüte Chips. Ich mutiere gerade mal wieder zum Vollasi.
Das alles führt dann dazu, dass ich noch mal raus will und meine Begleiterin überrede mit mir nochmal auf Tour zu gehen – anstatt ins Bett, wie das sonst zwischen Mitternacht und ein Uhr bei uns üblich – und auch durchaus sinnvoll ist. Und wie das so ist, wenn man alkoholisiert und überdreht ist, man baut Scheisse. (Ich neige da sehr extrem zu, wer die alten Tourberichte aus der Trouble Boys Zeit noch kennt, der weiss was ich meine.) Und so komme ich auf die glorreiche Idee, doch mal die Patpong-Bars in der 2. Etage zu testen. Wenigstens eine als Representant für alle anderen. Meine Begleiterin ist dagegen. Das ist klar, denn ich habe ihr schon mehrmals ausführlich auseinandergelegt, dass man NIE in die Bars in der 2. Etage geht – und erst recht nicht besoffen. (Und besoffen bin ich, auch wenn ich nur zwei Bier tagsüber, drei Whisky abends und noch ein Bier nachts hatte. Wer jahrelang keinen oder kaum Alkohol konsumiert ist dann definitiv besoffen. Was ich aber meiner Begleiterin gegenüber vehement verneine.)
Nun, meine Begleiterin ist dagegen, ich bin dafür. Hier herrscht seit Jahr und Tag gelebte Demokratie – die Männerstimme zählt doppelt – also gehen wir.
Treppe rauf, beim Schlepper nochmal eindringlich versichert, dass keine Covercharge erhoben wird. “No Sir, no covercharge here. No problem!” Wir bestellen eine Cola und ein Singha – also die billigsten Getränke. Auf der Bühne 5-6 Mädels, alle nackt. Das ist der Unterschied zu den ebenerdigen Agogos in der Patpong, wo die Mädels immer voll bekleidet tanzen und alles sehr gesittet zugeht sind. Hier oben, in den Bars der zweiten Etage, sind immer alle nackt und machen doofe Shows mit Ping-Pong-Bällen, Bändchen, Fischen und sonstigem Zeugs…
Meine Begleiterin fühlt sich sichtlich unwohl – nicht wegen der nackten Mädchen, sondern wegen einer am Nebentisch ablaufenden Diskussion zwischen drei Falangs (könnten Engländer sein) und sechs Thai-Bodybuilder-Typen. Ich will dann mal zahlen – aber die Kellnerin ist verschwunden. Das ist in solchen Läden immer so. Man sitzt noch nicht ganz, da steht schon ne Kellnerin am Tisch und nimmt die Bestellung auf. Gefühlte zehn Sekunden später sind die Getränke auch schon da. Aber wenn du bezahlen willst, ist die Kellnerin unauffindbar und hat sich ganz am anderen Ende der Bar versteckt…
Ich finde sie dann doch (nach einigen langen Minuten) und ordere die Rechnung. Mit dieser erscheint dann ein Typ, ungefähr 20 Zentimeter grösser als ich und dreimal so schwer wie ich. Ich wusste bisher gar nicht, dass es so grosse Thaibengels gibt…
Die Rechnung beläuft sich auf 2600 Baht (ca. 60-70 Euro je nach Umtauschkurs). Na, das ist ja nicht wirklich ein Schnäppchen für ne Cola und ein Bier.
Andererseits wirklich überraschend ist es auch nicht. Meine Begleiterin sieht jetzt wirklich schlecht gelaunt aus, schon fast panisch. Ich lasse mir erst Mal die Rechnung erklären – man muss ja wissen worüber man verhandelt. 300 Baht die Cola, 300 Baht das Bier, 2000 Baht die Show. Aha. Ich gebe ihm 200 Baht (100 Baht pro Getränk) und will gehen. Nur komme ich an dem nicht vorbei. Der holt noch nicht mal Verstärkung, der denkt er wird allein mit mir fertig. Nun, wo er recht hat – hat er recht. Ich schätze das genau so ein. Ich ziehe die Visitenkarte von einem entfernten Bekannten (der ist Policeofficer in Bangkok und wir haben uns mal flüchtig auf einer Feier der Deutschen Botschaft im Germans Beergarden in der Soi 13 kennengelernt – vor fünf oder sechs Jahren. Seit dem haben wir allerdings keinen Kontakt mehr gehabt) aus der Tasche und gebe sie ihm mit der Frage, ob wir beide den jetzt mitten in der Nacht zusammen anrufen wollen…?
Er überlegt. Er ist gross, er ist stark – aber schnell im Denken ist er nicht. Er überlegt immer noch. Ich wähle derweil schon mal… (…allerdings nicht die Nummer von dem Policeofficer der sich zu 99%iger Sicherheit nicht an mich erinnern kann, sondern eine Phantasienummer in Trinidad & Tobago.) Das anabolikaverseuchte Rindvieh von Thai-Bodybuilder hat jetzt den Denkprozess abgeschlossen und festgestellt, dass wir uns die Show gar nicht angesehen haben. Die Rechnung besteht auf einmal nur noch aus 600 Baht für die zwei Getränke. Meine thailändische Begleiterin fährt mich auf Deutsch an (damit der Schlaumeier sie nicht versteht, dafür ich sie um so besser!), ich solle jetzt gefälligst die verfluchten 600 Baht Kleingeld rausrücken und sie will SOFORT hier raus. Wo sie recht hat…da beuge ich mich. In den Boys-Agogos zahlt man während der Fuck and Blow-Shows auch 250 Baht pro Drink. Also ist strenggenommen 300 Baht hier auch nicht sooo unverschämt. Ich drücke also die 600 Baht für die Getränke ab und wir verlassen ungehindert das Lokal, ohne das sich uns nochmal jemand in den Weg stellt.
Beim Rausgehen sehe ich, wie die Diskussion zwischen den drei Falangs und den Thai-Boys heftiger wird – im Sinne von handgreiflich. Meine Begleiterin ist sauer auf mich! Ich fand das eigentlich mal wieder ganz interessant. Ich meine, klar sie hat recht, wenn sie sagt: “Du hast es schon vor 20 Jahren ausprobiert und bist abgezockt worden. Du hast immer wieder gesagt, man soll nie in die 2. Etage gehen. Und jetzt willst du auf einmal da rauf. Du spinnst!” Meine Argumentation: Ich liebe das Abenteuer – würde sie nur noch mehr verärgern. Also halte ich die Klappe und gebe ihr recht. Und sie hat ja auch recht. Ich hab immer wieder meinen Kumpels gepredigt: Meidet die Bars in den oberen Etagen! Und dann latsche ich selbst rein…da muss man schon ganz schön daneben sein – oder eben besoffen.
Stay tuned.
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