Eigentlich gehört es sich nicht, über Flughäfen zu schreiben, wenn es keinen besonderen Anlass gibt. Das Ticket ist gekauft, das Hotel gebucht, die Koffer gepackt. Check in, durch die Kontrolle und los – wir wollen so schnell wie möglich am Reiseziel sein. Doch es lohnt sich manchmal, den Flughafen selbst als Sehenswürdigkeit zu betrachten.
Zum Beispiel Schönefeld in Berlin (Kürzel: SXF). Als er gebaut wurde, war der “Kalte Krieg” im Gange. Da durften die Passagiere noch im Flieger rauchen. Fliegen war Luxus – auf den schweren Koffern sammelten sich Aufkleber aus exotischen Orten auf der ganzen Welt. Jetzt darf jeder fliegen und die meisten können es sich auch leisten.
Doch trotz der Menschenmenge, die sich in den Flughäfen staut, fühlt man sich am Flughafen immer noch irgendwie besonders. Was uns immer noch mit der Zeit der großen Reisen, ohne Handys und Internet, verbindet, ist das Gefühl des Besonderen. Die Sicherheitskontrolle grenzt das normale Volk von den Passagieren ab. Zwischen den Kosmetik- und Sonnenbrillenläden herrscht eine alternative Welt, die man nur für eine kurze Zeit betreten darf. Eine Welt mit einer geheimen Choreographie der Fluganzeigetafel, der Gates, des geübten Personals und der Passagiere, die trotz der Menge und der fehlenden Sitze eine Begeisterung für das Fliegen empfinden.
Diese Begeisterung und ein Flair der Vergangenheit sind auch im alten Gebäude des Flughafens Schönefeld zu spüren.
Seine Geschichte beginnt 1947 mit der Verbindung Moskau-Berlin von Aeroflot. Später, bis kurz nach der Wiedervereinigung, schaffte die Fluggesellschaft der DDR, Interflug, von dort Verbindungen mit 53 Reisezielen. Es deutet vieles in Schönefeld darauf, dass die Zeit hier, gemessen im regelmäßigen Takt der Starts und Landungen der Flieger, stehen geblieben ist: Wenn man in das zweite Obergeschoss steigt, da, wo Polizisten die Reisenden im Blick halten, sind Fluggesellschaften wie Syrian Air und die nationale weißrussische Fluggesellschaft Belavia präsent. Von hier aus kann man sich leicht die alten Zeiten vorstellen, als Berlin geteilt war: In Berlin Tegel (TXL) landeten die hübschesten Pan-Am-Stewardessen und die besten Piloten in den neuesten Maschinen, und in Berlin Schönefeld (SXF) die Gäste aus dem Ostblock.
Man kann sich noch vorstellen, wie sie nach einer strengen Passkontrolle ihre Zigaretten rauchten oder vor dem Abflug mit dem Propeller-Flieger die Landebahn zu Fuß überqueren mussten. Immer noch muss man hier Schlange stehen, wie etwa vor dem Ryanair-Check-in im Terminal A. Denn Schönefeld (SXF) wurde nicht für so viele Passagiere und diese Zeiten gedacht. Inzwischen ist er einer von zwei Flughäfen Berlins und deshalb wichtig, aber viele können sich nach dem Besuch nur an enge Gänge und Treppen erinnern, oder an die Spreewald Gurken, die man dort in Dosen kaufen kann.
Anderseits, in einer Welt der Giganten wie Heathrow in London oder Charles de Gaulle in Paris, bleibt Berlin Schönefeld eine schöne Abwechslung, die einen nicht einschüchtert.
Irgendwie ist der (noch) provinziell anmutenden Flughafen Schönefeld, der bald zum großen und hoffentlich modernen Berlin Brandenburg Willy Brand Flughafen wird, derjenige, der eine Flugreise zu etwas ganz besonderem macht: Das Gefühl über eine kurze Zeit eine Parallelwelt betreten zu dürfen und dafür auserwählt worden zu sein. Ein Erlebnis.
Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal fliegt.
Stay tuned.


